• Größter IPO aller Zeiten: 135 USD Ausgabepreis, aktuell rund 162 USD 
  • Starlink wächst über 50 Prozent pro Jahr und stellt 61 Prozent des Umsatzes 
  • 2025: 18,67 Mrd. USD Umsatz, aber 4,94 Mrd. USD Nettoverlust 
  • Bewertung umstritten: Analystenkonsens 204 USD, Morningstar sieht 60 USD 
  • Diese Woche: Ende der Quiet Period und Aufnahme in den Nasdaq-100 
  • Unser Szenario: hypothetisches Kursziel 200 USD (ca. 175 EUR) auf 12 Monate

Am 12. Juni 2026 ist etwas passiert, worauf Anleger zwei Jahrzehnte gewartet haben: SpaceX hat einen Ticker. SPCX. Vier Buchstaben, hinter denen 555,6 Millionen neue Aktien, 75 Milliarden Dollar Emissionsvolumen und der größte Börsengang der Geschichte stehen. Elon Musk hat jahrelang beteuert, SpaceX bleibe privat, bis der Mars in Sichtweite sei. Jetzt ist die Aktie da, der Mars nicht. Willkommen an der Börse.

Und die Börse hat SpaceX begrüßt, wie sie neue Superstars eben begrüßt: erst mit Konfetti, dann mit der Rechnung. Vom Ausgabepreis bei 135 Dollar schoss die Aktie binnen vier Handelstagen auf 225,64 Dollar, ein Plus von 67 Prozent. Eine Woche später stand sie bei 147 Dollar. Wer bei SpaceX arbeitet, kennt das Muster: Erst der spektakuläre Start, dann die kontrollierte Landung. Der Unterschied ist nur, dass die Falcon 9 rückwärts landen kann. Ihr Depot kann das nicht.

Genau deshalb lohnt sich jetzt, drei Wochen nach dem IPO, ein nüchterner Blick. Denn unter dem Lärm aus Euphorie, Musk-Tweets und Crash-Prophezeiungen liegt ein Unternehmen, das in seinem Kerngeschäft etwas hat, das an der Börse selten geworden ist: ein faktisches Monopol.

Das Monopol, das vom Himmel fällt

Fangen wir mit dem an, was SpaceX unbestreitbar kann: Dinge ins All bringen, billiger und häufiger als jeder andere auf diesem Planeten. Die wiederverwendbare Falcon 9 hat die Startkosten so weit gedrückt, dass Wettbewerber wie Arianespace oder ULA im kommerziellen Markt kaum noch stattfinden. Wer heute einen Satelliten in den Orbit will, ruft in Hawthorne an. Es gibt schlicht keine ernsthafte Alternative in vergleichbarem Umfang.

Dieses Launch-Monopol ist aber nur das Fundament. Das eigentliche Geschäft steht eine Etage höher: Starlink. Über 10,3 Millionen aktive Kunden in 160 Ländern zum Ende des ersten Quartals 2026, mehr als eine Verdopplung gegenüber den 4,6 Millionen von Ende 2024. Der Umsatz der Sparte kletterte 2025 auf 11,4 Milliarden Dollar (ca. 10,0 Mrd. Euro), ein Plus von rund 50 Prozent, und stellt damit 61 Prozent der Konzernerlöse. Starlink ist kein Raumfahrtprojekt mehr. Es ist ein globaler Telekommunikationskonzern, dessen Netzausbau zufällig mit Raketen erfolgt.

Und hier greift ein Mechanismus, den Sie als Anleger verstehen sollten: SpaceX kontrolliert beide Seiten der Gleichung. Das Unternehmen ist gleichzeitig der günstigste Spediteur ins All und sein eigener größter Kunde. Jeder Konkurrent, der eine Satellitenkonstellation aufbauen will, muss entweder teurer starten oder bei SpaceX buchen. Man stelle sich vor, die Deutsche Bahn gehörte einem Paketdienst. Ungefähr so unfair ist dieser Markt gerade verteilt.

Starkes Wachstum mit tiefen Kratern in der Bilanz

Jetzt zur unbequemen Seite, und wir wären nicht Black Research, wenn wir sie Ihnen ersparen würden.

SpaceX setzte 2025 rund 18,67 Milliarden Dollar (ca. 16,4 Mrd. Euro) um, ein Wachstum von 33 Prozent. Gleichzeitig stand unter dem Strich ein Nettoverlust von 4,94 Milliarden Dollar (ca. 4,3 Mrd. Euro). Allein im ersten Quartal 2026 kamen weitere 4,28 Milliarden Dollar (ca. 3,7 Mrd. Euro) Verlust hinzu. Das ist kein Rundungsfehler, das ist ein Krater.

Die Erklärung liegt in zwei Buchstaben und einem Raumschiff: KI und Starship. Die im Februar 2026 vollzogene Fusion mit Musks KI-Unternehmen xAI hat SpaceX eine dritte Konzernsparte beschert, die 2025 allein über sechs Milliarden Dollar verbrannte. Dazu kommt die Starship-Entwicklung, das teuerste Raketenprogramm der Privatwirtschaft. Wichtig für die Einordnung: Das Kerngeschäft aus Launches und Starlink arbeitet profitabel. Die roten Zahlen sind keine operative Schwäche, sondern der Preis für zwei gewaltige Wetten auf die Zukunft. Ob das beruhigend oder beunruhigend ist, hängt davon ab, wie viel Vertrauen Sie in den Mann an der Spitze haben. Womit wir bei einem eigenen Risikofaktor wären, dazu gleich mehr.

Hinzu kommt Appetit: Noch vor dem ersten Quartalsbericht als börsennotiertes Unternehmen hat SpaceX eine Anleiheemission über rund 20 Milliarden Dollar (ca. 17,5 Mrd. Euro) angekündigt und die Übernahme des KI-Coding-Anbieters Cursor für rund 60 Milliarden Dollar (ca. 52,6 Mrd. Euro) in Aktien vereinbart, Closing im dritten Quartal erwartet. Bezahlt wird in Aktien, verwässert werden Sie. Das gehört zur ehrlichen Rechnung dazu.

Die Bewertung: Zwei Billionen Gründe zur Vorsicht

Bei rund 162 Dollar (ca. 142 Euro) je Aktie ist SpaceX etwa 2,1 Billionen Dollar (ca. 1,84 Bio. Euro) wert. Damit spielt der Konzern in einer Liga, in der bislang nur Apple, Microsoft und Nvidia mitspielen, allerdings mit einem entscheidenden Unterschied: Die drei verdienen Geld.

Gemessen am 2025er Umsatz zahlen Sie mehr als das Hundertfache der Jahreserlöse. Michael Burry, der Mann, der 2008 kommen sah, vergleicht die aktuelle IPO-Welle mit der Dotcom-Blase und hält die SpaceX-Bewertung für nicht gerechtfertigt. Morningstar wird noch konkreter: Analyst Nicolas Owens taxiert den fairen Wert auf rund 780 Milliarden Dollar (ca. 683 Mrd. Euro), umgerechnet etwa 60 Dollar (ca. 53 Euro) je Aktie. Das wären rund 63 Prozent unter dem aktuellen Kurs.

Auf der anderen Seite steht Morgan Stanley mit einem Langfristszenario, in dem SpaceX bis 2040 auf Billionenumsätze wächst, getragen von Starlink, Rüstungsaufträgen und Weltrauminfrastruktur. Und der breite Analystenkonsens, kurz vor Ende der Quiet Period, liegt bei einem durchschnittlichen Kursziel von rund 204 Dollar (ca. 179 Euro) mit der Einstufung Moderate Buy.

Wenn seriöse Häuser bei derselben Aktie zwischen 60 und über 400 Dollar liegen, sagt Ihnen das vor allem eines: Hier wird nicht ein Unternehmen bewertet, sondern eine Zukunft. Und über die Zukunft weiß die Wall Street genauso wenig wie Sie und wir. Sie verlangt nur mehr Gebühren dafür.

Der Terminkalender: Es wird ruckeln

Für die kommenden Monate sollten Sie drei Daten im Kopf haben, denn sie werden den Kurs stärker bewegen als jede Analyse.

7. Juli 2026: Doppeltermin. Die Quiet Period der 23 IPO-Banken endet, erstmals dürfen die Konsortialhäuser eigene Studien und Kursziele veröffentlichen. Am selben Tag wird SPCX in den Nasdaq-100 aufgenommen, was Indexfonds zu Käufen zwingt. Bei einem Streubesitz von unter zehn Prozent kann diese Kombination heftige Ausschläge in beide Richtungen produzieren.

6. August 2026: Die ersten Quartalszahlen als börsennotiertes Unternehmen. Der erste echte Realitätstest für die Wachstumsstory.

August bis Dezember 2026: Die Lock-up-Fristen laufen aus, und zwar nicht auf einmal, sondern in rund einem Dutzend gestaffelter Tranchen. Bis Oktober werden Altaktien im geschätzten Wert von 800 Milliarden Dollar (ca. 700 Mrd. Euro) handelbar, die letzte reguläre Tranche folgt Anfang Dezember. Jede Stufe bedeutet potenzielles Zusatzangebot. Musks eigener Anteil bleibt übrigens bis Juni 2027 gesperrt, immerhin eine Sorge weniger.

Kurz gesagt: Wer hier einsteigt, kauft keine Schlaftablette. Er kauft ein Ticket in der ersten Reihe, inklusive Turbulenzen.

Die Risiken im Klartext

Wir listen sie ungeschönt, denn genau dafür lesen Sie uns.

Bewertungsrisiko: Die Aktie preist viele Jahre perfekter Ausführung bereits ein. Historisch haben 13 der 15 größten US-IPOs der letzten zwei Jahrzehnte im ersten Jahr im Schnitt über 35 Prozent verloren. SpaceX muss die Ausnahme sein, nicht die Regel.

Verlust- und Verwässerungsrisiko: Fast fünf Milliarden Dollar Jahresverlust, eine 20-Milliarden-Anleihe, eine 60-Milliarden-Übernahme in Aktien. Der Kapitalhunger ist enorm.

Lock-up-Risiko: Gestaffelte Freigaben bis Dezember 2026 können den Kurs über Monate deckeln.

Musk-Risiko: Der CEO ist gleichzeitig größter Vermögenswert und größte Einzelposition im Risikoregister. Ein Tweet bewegt diese Aktie schneller als ein Quartalsbericht. Kurz nach Börsenstart stellte Musk eine Billion Dollar Jahresumsatz bis 2030 in Aussicht. Belegt ist davon: nichts.

Starship-Risiko: Die langfristige Story hängt am Erfolg eines Raketenprogramms, das im Testbetrieb regelmäßig und wörtlich in die Luft fliegt. Bei SpaceX heißt das "rapid unscheduled disassembly". Ihr Depot würde es schlicht Verlust nennen.

Szenariorechnung: Wie wir auf 200 Dollar (175 EUR) kommen

Ein klassisches, modellbasiertes Kursziel ist bei einem Unternehmen mit drei Wochen Börsenhistorie, tiefroten Zahlen und einer Bewertungsspanne von 60 bis 400 Dollar unter Analysten mit Vorsicht zu genießen. Wir legen unsere Rechnung deshalb transparent als Gedankenexperiment offen, Sie können jede Annahme selbst anpassen.

Annahme 1, Umsatz: Wächst der Konzernumsatz 2026 und 2027 im Tempo der letzten Jahre weiter (rund 30 bis 35 Prozent), landet SpaceX 2027 bei etwa 31 bis 33 Milliarden Dollar (ca. 27 bis 29 Mrd. Euro) Erlös, getragen von Starlink.

Annahme 2, Multiple: Gestehen wir dem Unternehmen aufgrund des Launch-Monopols und des Starlink-Wachstums ein sportliches, aber gegenüber heute bereits reduziertes Umsatzmultiple von rund 75 zu, ergibt sich ein Unternehmenswert von etwa 2,4 bis 2,5 Billionen Dollar (ca. 2,1 bis 2,2 Bio. Euro).

Annahme 3, Verwässerung: Cursor-Übernahme und mögliche weitere Aktienemissionen eingerechnet, verteilen sich diese auf eine höhere Aktienzahl.

Daraus ergibt sich unser hypothetisches 12-Monats-Kursziel von 200 US-Dollar, umgerechnet rund 175 Euro, ein Potenzial von rund 23 Prozent gegenüber dem aktuellen Kurs. Es liegt damit nahe am Analystenkonsens von rund 204 Dollar (ca. 179 Euro), was uns weniger beruhigt als Sie vielleicht denken, denn der Konsens hat bei IPOs dieser Größe historisch selten Recht behalten. Im Negativszenario, etwa bei enttäuschenden Q2-Zahlen und Verkaufsdruck aus den Lock-up-Freigaben, halten wir auch einen Rücklauf in Richtung des IPO-Preises von 135 Dollar (ca. 118 Euro) oder darunter für realistisch. Wer einsteigt, sollte beide Zahlen kennen.

Fazit aus der Black Research Redaktion

SpaceX ist die vielleicht faszinierendste Aktie, die je an einer Börse notiert hat: ein faktisches Monopol im Kerngeschäft, ein Hyperwachstums-Telekomkonzern obendrauf und eine KI-Wette als Beigabe, verpackt in eine Bewertung, die keinen einzigen Fehler verzeiht.

Unsere Einschätzung lautet Kaufen, ausdrücklich spekulativ. Nicht, weil die Aktie günstig wäre, das ist sie nicht. Sondern weil es Unternehmen mit dieser Kombination aus Marktstellung, Wachstum und strategischer Relevanz an der Börse schlicht nicht zu kaufen gibt, zu keinem Preis. Wer dabei sein will, zahlt den Eintritt.

Konkret heißt das für Sie: Wenn, dann mit einer Positionsgröße, deren Totalverlust Sie nicht um den Schlaf bringt, idealerweise gestaffelt über die kommenden Monate, denn die Lock-up-Termine dürften noch attraktivere Einstiegskurse liefern als der heutige. Die Rakete ist gestartet. Sie müssen nicht im ersten Stockwerk zusteigen.

Die nächsten harten Katalysatoren: die ersten Analystenstudien der Konsortialbanken ab dem 7. Juli, die Q2-Zahlen am 6. August und der Umgang des Marktes mit den ersten Lock-up-Freigaben. Wir bleiben dran.

Viel Erfolg beim Traden!

Publiziert am 06.07.2026, 17:52 Uhr

Aktuelle News zu Space Exploration Technologies Corp.

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